Franziskus von Assisi -die rettende Gestalt?

Der Heilige Franziskus wird in diesen Tagen - 800 Jahrfeiern- als die universale, rettende Gestalt von Klima, Umwelt und Natur gepriesen, auch als der, welcher der krisen- geschüttelten Kirche neues Leben einhauchen könnte. Es werden erhebende Veranstaltungen gefeiert. Man geht beeindruckt weg.
Betrachtet man die Situation seines Ordens in Europa, verfliegt bald die Hochstimmung. Die einzelnen franziskanischen Gemeinschaften mussten in den letzten Jahren ein Kloster nach dem andern schließen, von der Verbesserung des Klimas ist nichts  zu spüren, für die Kirche fehlt ein rettender Aufstieg.  Die großen Worte über den Heiligen können seinen Geist nicht herbeireden. Schuld ist offensichtlich die Bedeutungslosigkeit des Religiösen in unserer Zeit.
Die entscheidende Wende - von außen nach innen.
Aber ohne die besondere Erfahrung Gottes kann die Persönlichkeit des Heiligen weder verstanden und noch umgesetzt werden. Bei Diskussionen hört man: Gott kann nicht bewiesen und auch nicht widerlegt werden! Damit hat das Gespräch meist ein Ende. Es könnte neu beginnen. Denn: Gott kann erfahren werden! Als die Kraft, die einen Menschen total verwandelt. Dafür steht der Heilige aus Assisi.
Nicht nur er. Der Theologe Paul Tillich erklärt: „Gott ist das Symbol für das, was mich unbedingt angeht." Das heißt die Spur Gottes finde ich, wenn ich dem nachgehe, was mich zuinnerst berührt, bedrückt oder froh macht. Der erste Schritt ist nicht der radikale Verzicht, sondern die Wende nach innen. Damit beginnt es beim Heiligen. Auf Grund einer inneren Stimme kehrt er von seinem geplanten Kriegszug und seiner verkehrten Einstellung um. Nach dem Psychologen C.G.Jung steht hinter der Stimme in der Tiefe der Seele eine Instanz, welche aus sich selbst wirkt, Neues entwirft, leitende Impulse aussendet und nach außen darstellt. Sie vertritt das Allereigenste und das Allerheiligste und ist stärker die bisher herrschenden Vorstellungen von dem, was man allgemein für erstrebenswert hält.
Neue Wege entdecken
Um diese Kraft zu erfahren, braucht es die Bereitschaft, sich wie der Heilige auf die Wende nach innen einzulassen. Es kann ein Ereignis sein, das einem nahe geht, ein Erlebnis in der freien Natur, eine Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen, Ergriffensein in einem Konzert oder in einem Gottesdienst, eine Lebenskrise oder auch ein Traum, der einen nicht loslässt.
Der Blick in die eigene Tiefe statt auf die Schuld der anderen verändert die Perspektive und damit auch die Stimmung und die Atmosphäre. Hilfreich sind Gespräche mit einfühlenden Menschen in einem seelsorglichen und therapeutischen Rahmen. Sie bringen emotionale Entlastung und einen neuen Blick für die Wirklichkeit. Ebenso wichtig ist der Zugang zur gegenstandslosen Meditation und zum Wert der Stille. Darin ist die Erfahrung eingeschlossen: Die Religion beginnt im Leib. Teilnehmer einer Meditation verlassen erfüllt, froh, sogar in heiterer Stimmung den Raum in der festen Absicht wiederzukommen und dafür Zeit und Geld zu opfern. Es ist wird die Fähigkeit geweckt, das Evangelium in seinen tiefsten Aussagen zu verstehen und der Freude des Heiligen im Sonnengesang näher zu kommen.

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