9. Sonntag im Jahreskreis  B


Eröffnungsvers
Ps 25 (24), 16.18
Herr, wende dich mir zu und sei mir gnädig,
denn ich bin einsam und gebeugt.
Sieh meine Not und meine Plage an
und vergib mir all meine Sünden.
Ehre sei Gott
Tagesgebet
Gott, unser Vater,
deine Vorsehung geht niemals fehl.
Halte von uns fern, was uns schadet,
und gewähre uns alles, was zum Heile dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE Lesung  Dtn 5, 12-15

Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr dort herausgeführt
Lesung aus dem Buch Deuteronomium
So spricht der Herr:
12Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat.
13Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
14Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.
15Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm dort herausgeführt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sabbat zu halten.
Antwortpsalm
Ps 81 (80), 3-4.5-6b.6c-8a.10-11 (R: vgl. 2a)

R Lobet Gott, den Herrn;
(GL neu 616, 5)

denn er ist unsere Zuflucht. - R

3 Stimmt an den Gesang, schlagt die Pauke,
VII. Ton
die liebliche Laute, dazu die Harfe !
4  Stoßt in die Posaune am Neumond
und zum Vollmond, am Tag unsres Festes! - (R)
5     Denn das ist Satzung für Israel,
Entscheid des Gottes Jakobs.
6ab  Das hat er als Gesetz für Josef erlassen,
als Gott gegen Ägypten auszog. - (R)
6c   Eine Stimme höre ich, die ich noch nie vernahm:
7        Seine Schulter hab‘ ich von der Bürde befreit,
seine Hände kamen los vom Lastkorb.
8a      Du riefst in der Not,
und ich riss dich heraus. - (R)
10      Für dich gibt es keinen andern Gott.
Du sollst keinen fremden Gott anbeten.
11   Ich bin der Herr, dein Gott,
       der dich herausgeführt hat aus Ägypten.
        Tu deinen Mund auf! Ich will ihn füllen. - R


Zur 2. Lesung Inhalt und Ziel der apostolischen Verkündigung ist Christus. Er ist das Licht, das im Wort und im Leben des Apostels leuchtet. Er erfüllt mit seiner Klarheit und Helligkeit auch das Leben der christlichen Gemeinde. Freilich, für diesen Schatz ist jedes irdische Gefäß zu eng. Aber selbst durch die Risse und Sprünge des schwachen Gefäßes hindurch scheint der göttliche Glanz des Evangeliums.


ZWEITE Lesung  2 Kor 4, 6-11

Das Leben Jesu wird an unserem Leib sichtbar
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther
Brüder!
6Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht erleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.
7Diesen Schatz tragen wir Apostel in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.
8Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht;
9wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.
10Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.
11Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.
Ruf vor dem Evangelium
Vers: vgl. Joh 17, 17
Halleluja. Halleluja.
Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit;
heilige uns in der Wahrheit!
Halleluja.

 

Evangelium   Mk 2, 23 - 3, 6

Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus                                                                                                                                                                    23An einem Sabbat ging Jesus durch die Kornfelder, und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab.24Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten.25Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten26- wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab?27Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.28Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.1Als er ein andermal in eine Synagoge ging, saß dort ein Mann, dessen Hand verdorrt war.2Und sie gaben acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.3Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte!4Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen.5Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus, und seine Hand war wieder gesund.6Da gingen die Pharisäer hinaus uns fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen. 

Oder:KURZFASSUNGMk 2, 23-28Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus                                                                                                                                                                      23An einem Sabbat ging Jesus durch die Kornfelder, und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab.24Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten.25Er antwortete: Habt ihr nie gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren und nichts zu essen hatten26- wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes ging und die heiligen Brote aß, die außer den Priestern niemand essen darf, und auch seinen Begleitern davon gab?27Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.28Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Die Ordnung Gottes- anders als gedacht

Nichts ist leichter, als auf der Seite Jesu zu stehen und die blinde Menschenverachtung der Pharisäer zu verurteilen. Es kostet wenig Mühe und kaum Nachdenken, der Argumentation Jesu vom Recht der Hungernden auf Essen und der Behinderten auf Heilung zuzustimmen. Für uns ist Ähren Reiben am Sabbath kein Anlass zum Streit und dass man auch am Sonntag einem Menschen in Not hilft, ist eine Selbstverständlichkeit.
Das Leben gegen die Enge
Und doch: haben wir damit Jesus schon verstanden, in dem, was in ihm geschah, als er den engen Rahmen der reli­giösen Herkunft verließ? Der Mut zu diesem Schritt stammt - so dürfen wir annehmen - aus jenen. Erlebnis, von dem es heißt, er sah den Himmel offen und sich in die unmittelbare Nähe Gottes gerückt. (Vgl Mk 1,70).Da erwachte in ihm eine Kraft und Überlegenheit, eine innere Größe, die ihn über die engen Grenzen der Tradition hinaushob. Er war der Welt der Gesetzeslehrer, der Frommen und Eifrigen entwachsen. Sie war ihm zu klein ge­worden,' Die Welt, in der Jesus lebt, unterscheidet sich von der alten durch die Dichte und Unmittelbarkeit, wie er zu Gott betet; wie Gott in seiner Person anwesend ist, in dem, wie er redet, was er tut. Einer seiner Jünger wird über ihn später schreiben: "In ihm war das Leben"(Jo,1,4).

Das Leben selbst - zum Anfassen nahe.
. Überall wohin Jesus kommt, blüht das Leben auf; die Menschen strömen von weither in berechtigter Hoffnung; die Kranken, die Lahmen, die Siechen, die auf der Schattenseite des Lebens Stehenden atmen auf. Ein Wort ist überliefert:: „Es ging eine Kraft von ihm aus und heilte alle" (Lk 6,17). Man darf sagen: Das Leben verströmte sich in ihm. Und dieser Strom ist nicht mehr in den schmalen Kanälen der Gesetzestradition zu fassen, ähnlich dem jungen Wein, der gärt und arbeitet und einen alten, spröden Wein­schlauch zerreißen würde.

Die Ordnung Gottes
Auf diesem Boden konnte ein Wort gesagt werden, das als Frevel
empfunden wurde: „Der Sabbat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Sabbats willen" (Mk 2,27). Übersetzt könnte es heißen: „Das Glück eines Menschen steht über der Ordnung Gottes!"
Wobei man dazu sagen muss: Was Menschen in ihrer Beschränktheit bis­her für die Ordnung Gottes gehalten haben. Diesen Satz Jesu, i, müssen wir erst verdauen. Zu viele Vorbehalte, zu viele Wenn und Aber tun sich auf, um ihn voll zu bejahen. Doch wir haben erst dann etwas von Jesus verstanden, wenn wir ihn als die neue Ordnung begreifen: leben sollen die Menschen und nicht hungern. Leben - nicht verkrüppelt, sondern aufrecht und ganz: Das ist die Ordnung Gottes.
zwei Sichtweisen
Wer so unmittelbar an das Leben und den Ursprung angeschlossen ist, sieht die Dinge, die unter Menschen passieren,- wie sie mitein­ander umgehen, wie sie sich durchs Leben mühen,- mit anderen Augen als einer, der davon abgeschnürt ist. Solche, die den Kontakt zum Leben verloren bzw. ihn nie gefunden haben, werden nur überall, wohin sie schauen, Gefahren und Bedrohung erblicken. Deshalb glauben sie, sie müssten mit noch strengeren Gesetzen und genaueren Vorschriften die Menschen vor dem Verderben schützen.
Auch in unserer Zeit gibt es zwei völlig entgegengesetzte Einstellungen, das Geschehen in der Kirche und in der großen Welt zu betrachten. Eine, die in der heutigen Zeit vorzüglich nur Verfall sieht. Man ist überzeugt, die Men­schen werden immer schlechter, weil sie nicht mehr in die Kirche gehen, austreten, weil sie sich wegen Kleinigkeiten scheiden las­sen, weil sie nur dem Genuss und dem Konsum nachgehen. Deshalb dürfe man in der Moral, was die christliche Auffassung anbelangt, nicht noch mehr nachgeben. Sonst schwimme ja alles davon.


Die andere Sicht -                                                                                                                                                                                                                   Es sind nicht wenige, die  zunächst die Not wahr wahrnehmen, die Menschen mit dem Leben haben: es ist nicht immer frevlerischer Leichtsinn oder Selbstverwirklichung auf Kosten anderer, wenn eine Ehe zerbricht, sondern Unsicher­heit, Einsamkeit, Mangel an innerer Kraft, die Unfähigkeit, mit Gefühlen umzugehen;  die Überforderung, der die meisten ausgesetzt sind und damit nicht zurechtkommen. Vor allem wird erkannt, wie sehr die heutigen Menschen mehr als je zuvor auf der Suche sind nach der Wahrheit ihres Lebens und nach der Wahrheit des Christentums; weil sie hungern, begehen sie zumindest in den Augen der Frommen manchen Frevel, wie einst David unerlaubt die Schaubrote aß. Vielen wurde von Klein auf der Mut genommen zuzupacken, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen, die Grenze um sich zu ziehen oder Kon­takte zu schließen.

Leben bejahen

Wer so denkt, ist lebensbejahend; die es tun, freuen sich, dass auch heute viel Gutes geschieht, vor allem, dass ihnen das Leben geschenkt ist und dass sie trotz aller Schwierigkeiten den Raum finden für schöpferische Ideen, wo sie Neues und Gutes verwirklichen.Man darf doch sagen: Menschen wie diese haben etwas von der Ge­sinnung Jesu erkannt; während jene, die nur Bosheit in den Her­zen vermuten und eine strengere Ordnung im Namen Gottes for­dern, eher  bei den Gegnern Jesu ihren Platz haben dürften.Ob wir nicht unseren Eifer im Religiösen, sofern wir ihn ha­ben, überprüfen sollten ob er wirklich in der Nähe Jesu angesiedelt ist oder ob er uns in die falsche Rich­tung treibt? Alles hängt davon ab, ob wir den Satz verstehen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen da und nicht der Mensch um des Sabbat willen"(Mk 2,27).

Glaubensbekenntnis

Fürbitten:

Zur Eucharistiefeier Man kann zu Christus ja oder nein sagen; das zeigt die Geschichte. Und beides hat Folgen. Ich habe ja gesagt zu Christus; ihm will ich begegnen, dem ganzen Christus, dem Gottessohn und Menschensohn. Bei ihm will ich bleiben.

Gabengebet

Herr, unser Gott,im Vertrauen auf deine Gütekommen wir mit Gaben zu deinem Altar.Tilge unsere Schulddurch das Geheimnis des Glaubens,das wir im Auftrag deines Sohnes feiern,und schenke uns deine Gnade.Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis
Kommunionvers
Ps 17 (16), 6
Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede.
Oder:
Mk 11, 23.24
So spricht der Herr: Amen, ich sage euch:
Betet und bittet, um was ihr wollt;
glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil.
SCHLUSSGEBET
Herr, wir haben den Leib
und das Blut deines Sohnes empfangen.
Führe uns durch deinen Geist,
damit wir uns nicht nur mit Worten zu dir bekennen,
sondern dich auch durch unser Tun bezeugen
und den ewigen Lohn erhalten in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


FÜR DEN TAG UND DIE WOCHE
Vergegenwärtigung  Der Sonntag ist zunächst Feiertag. Feier ist mehr als Sichbesinnen, wie sie mehr ist als bloßes Ausruhen. Man feiert immer etwas Bestimmtes: ein Ereignis, ein Gelingen, eine Gründung, ein Gedächtnis. - Das Urereignis unserer Gemeinschaft ist die Liebe. Sie wird gefeiert in der Wiederholung der Festtage, und zwar an zwei Stellen: am Altar der Kirche, wo Gottes Liebe die ewige Quelle des Lebens und die unzerbrochene Trinkschale ist, und am heimischen Herd, dem Sinnbild des Hausaltars, auf dem die Nächstenliebe brennt, wärmt und vereinigt. (Fr. J.J. Buytendijk)

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