23. Sonntag A 06.09.2026
EröffnungsversPs 119 (118), 137.124
Herr, du bist gerecht, und deine Entscheide sind richtig.
Handle an deinem Knecht nach deiner Huld.
Ehre sei Gott, S. 375 f.
Tagesgebet
Gütiger Gott, du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Erste LesungEz 33, 7-9
Wenn du den Schuldigen nicht warnst, fordere ich aus deiner Hand sein Blut zurück
Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
So spricht der Herr:
7Du Menschensohn,
ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben;
wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst,
musst du sie vor mir warnen.
8Wenn ich zum Schuldigen sage:
Schuldiger, du musst sterben!
und wenn du nicht redest,
um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen,
dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben;
sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück.
9Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast,
damit er umkehrt,
und er sich nicht abkehrt von seinem Weg,
dann wird er seiner Sünde wegen sterben;
du aber hast dein Leben gerettet.
AntwortpsalmPs 95 (94), 1-2.6-7c.7d-9 (Kv: vgl. 7d.8a)
Kv Hört auf die Stimme des Herrn;GL 53, 1
verhärtet nicht euer Herz! - Kv
1Kommt, lasst uns jubeln dem Herrn, *
jauchzen dem Fels unsres Heiles!
2Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, *
ihm jauchzen mit Liedern! - (Kv)
6Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, *
lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
7abcDenn er ist unser Gott, /
wir sind das Volk seiner Weide, *
die Herde, von seiner Hand geführt. - (Kv)
7dWürdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /
8Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, *
wie in der Wüste am Tag von Massa!
9Dort haben eure Väter mich versucht, *
sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen. - Kv
Zweite Lesung (Röm 13, 8-10)
Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
8Niemandem bleibt etwas schuldig,
außer der gegenseitigen Liebe!
Wer den andern liebt,
hat das Gesetz erfüllt.
9Denn die Gebote:
Du sollst nicht die Ehe brechen,
du sollst nicht töten,
du sollst nicht stehlen,
du sollst nicht begehren!
und alle anderen Gebote
sind in dem einen Satz zusammengefasst:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
10Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.
Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
Ruf vor dem EvangeliumVers: vgl. 2 Kor 5, 19
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort von der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.
EvangeliumMt 18, 15-20
Wenn dein Bruder auf dich hört, so hast du ihn zurückgewonnen
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
15Wenn dein Bruder gegen dich sündigt,
dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!
Hört er auf dich,
so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
16Hört er aber nicht auf dich,
dann nimm einen oder zwei mit dir,
damit die ganze Sache
durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen
entschieden werde.
17Hört er auch auf sie nicht,
dann sag es der Gemeinde!
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht,
dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
18Amen, ich sage euch:
Alles, was ihr auf Erden binden werdet,
das wird auch im Himmel gebunden sein,
und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,
das wird auch im Himmel gelöst sein.
19Weiter sage ich euch:
Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten,
werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
20Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.
Die Regel, die nicht funktionierte
Wir werden heute mit einem Thema konfrontiert, das wir am liebsten vermeiden möchten. Es geht um Konflikte. Davon gibt es genug an den Orten, wo wir leben, in der Familie, in der Partnerschaft, in der Öffentlichkeit und in der Kirche. Meist steht man ratlos davor oder man ist hilflos verwickelt. Die Dinge nehmen eigenmächtig ihren Lauf. Nun wird uns heute eine Regel vorgeschlagen. Man soll den, der sündigt, zur Rede stellen, dann einen größeren Kreis dazu nehmen, schließlich die Sache vor die Gemeinde bringen und ihn dann, wenn all dies nicht hilft, ausstoßen. Im aufmerksamen und sensiblen Zuhörer regt sich sofort ein Unbehagen.
Für Kirchenkritiker ist es der gefundene Anlass, um hier einzusteigen und zu sagen: Diese Regel hat nicht funktioniert. Nach diesem Muster, verliefen ja die bis heute wirksamen Spaltungen in der Kirche. Man hat sich gegenseitig, als irr- und ungläubig, als Sünder bezeichnet und entsprechend behandelt.
Die Geschichte der Christen im Umgang miteinander ist nicht gerade ein Argument, um Außenstehende einzuladen. Es gibt so viele, die enttäuscht und verbittert auf die Institution blicken, die das Gebot der Nächstenliebe, der Menschenwürde, der Achtung jedes einzelnen als höchste Norm zwar verkündet, aber nicht befolgt.
Es wird uns vorgehalten: Die Opfer, welche die heidnische Verfolgung gefordert hat, sind nur eine Kleinigkeit gegenüber dem, was sich Christen gegenseitig angetan haben.
Es ist wahr: die Dunkelheiten der Vergangenheit sind groß und es lässt sich leicht damit Stimmung machen. Man sollte aber auch sehen: Wer Emotionen schürt, vermehrt die Probleme, anstatt sie zu lösen. Es geht vielmehr darum, aufgewühlte Gefühle zu beruhigen und in die rechten Bahnen zu lenken.
Lassen wir doch die Kirchengeschichte beiseite und bemühen wir uns, die Gegensätze im Hier und Jetzt zu versöhnen. Prüfen wir uns selbst, wie weit wir die Christen sind, die vom Geist Jesu der Güte und des Verstehens beseelt sind. Daran hängt es, ob uns die Worte Jesu so treffen, wie er sie gemeint hat.
Nur mit dieser Einstellung können wir uns an den Sinn des Überlieferten herantasten.
Wie so häufig sind die Aussagen Jesu missverständlich.
Schon der erste Satz kann in eine falsche Richtung führen: "Wenn dein Bruder gegen dich gesündigt hat"(Mt 18,15).
Wer sagt, dass es wirklich der andere ist, der gesündigt hat? Ob nicht auch wir selbst den Konflikt mit verursacht haben? Wir sollten äußerst kritisch gegen uns selbst sein, wenn wir ein Tun beobachten und Äußerungen hören, welche von der üblichen Norm abweichen. Es könnte sofort ein Mechanismus einrasten, der lautet: Einer, der nicht mehr in das gewohnte Bild passt, hat sich verfehlt und wir, die Guten, haben den Auftrag, ihn zu ermahnen und zu bessern.
Es könnte aber auch sein, dass gerade ein Außenseiter das aufdeckt, worauf wir nicht schauen, oder sogar neue, lebendige Anstöße zum Verständnis unseres Glaubens und zur Lösung der anstehenden Probleme bringt.
Sollte uns tatsächlich Unrecht geschehen sein, dann wäre das Gespräch zu zweit oder mit mehreren Personen des Vertrauens sicher ein guter Einstieg. Nur ist die Frage, ob der andere das auch will!
Entscheidend wird aber sein, dass wir bei uns bleiben, durchaus über unsere Verletzung und Not reden, nicht aber damit beginnen, den andern zu entwerten und versuchen, ihn in die Ecke zu treiben und niederzuringen. Als allererstes gilt es, Missverständnisse auszuräumen. Wichtig ist, den andern so zu lassen, wie er ist, auch mit seinem Denken, das anders sehen, anders bewerten und anders handeln lässt. Es hilft weiter, den andern zu verstehen, statt ihn unter Druck zu setzen.
Allerdings bedarf dies der demütigen Einsicht in das Eigene. Das heißt zuerst muss ich lernen, mich selbst zu verstehen. Wer sich auf diese Weise um seine eigene Befindlichkeit bemüht, tut es auch für den andern.
Es sind Regeln, die der heutigen Psychologie für gute Kommunikation entnommen sind und die sich in therapeutischen Gesprächen bewährt haben.
Damit sind wir noch nicht an der eigentlichen Aussage des Evangeliums.
Eines sollte uns bewusst werden: Jesus wollte mehr als ein paar gute Ratschläge geben, die dann doch missverstanden werden. Bei seinen Aufforderungen ist immer der emotionale und spirituelle Hintergrund mitzudenken. Auf welchem Niveau stehen die Menschen, unter denen dieses Wort lebendig ist? Wir dürfen annehmen, dass bei der angeführten Regel das Leben der frühen Kirche mit herein spielt.
In den letzten Sätzen des heutigen Textes wird uns ein Idealbild der ersten christlichen Gruppen und Gemeinden aufgezeigt. Die frühen Christen werden beschrieben als solche, die vom Geist Gottes durchdrungen und geleitet sind. Es sind betende Menschen, die ganz auf Christus ausgerichtet sind, und in denen er selbst anwesend ist Wer vom Geist Jesu durchdrungen ist, ist nicht mehr der Angst ausgeliefert. Man muss nicht mehr fürchten, dass Zorn und gegenseitige Entwertung unkontrolliert ausbrechen. Damit eine Gruppe entsteht, die dem beschriebenen Idealbild ähnlich ist, muss jeder bei sich selbst beginnen. Wo immer man sich auf eine tiefere Begegnung miteinander einlässt, kann man feststellen: Je mehr jeder sein eigenes Problem bearbeitet, je mehr jeder an sein Inneres angeschlossen und bei sich ist, desto näher kommt man einander. Es ist ein gemeinsames Leiden am Schicksal eines jeden. Es entsteht wie von selbst eine hohe Achtung vor der Lebensgeschichte eines jeden. Hier geschieht es auch, dass sich Gefühle wie durch eine höhere Macht wandeln, dass sie tragen und erfüllen, anstatt dass sie trennen und zerstören. Es entsteht ein Ort, wo die Liebe wachsen kann. Es könnte sogar etwas von der Gegenwart Christi zu spüren sein.
Glaubensbekenntnis, S. 378 ff.
Fürbitten vgl. S. 810 ff.
Zur Eucharistiefeier Zwei oder drei genügen... Wenn wir in seinem Namen versammelt Eucharistie feiern, erfahren wir die lebendige Gegenwart des Auferstandenen. Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich auf ihn und aufeinander einzulassen. Isoliert von den Schwestern und Brüdern ist Christsein nicht möglich.
Gabengebet
Herr, unser Gott, du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Lass uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation, S. 431 ff.
KommunionversPs 42 (41), 2-3
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Oder:Joh 8, 12
So spricht der Herr:
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen,
sondern wird das Licht des Lebens haben.
Schlussgebet
Herr, unser Gott, in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Lass uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Für den Tag und die Woche
Mit unseren Gebeten können wir als Christinnen und Christen die ganze Welt umspannen. Könnte es nicht auch eine durchbetete Welt geben, die etwas erkennen lässt von Gottes Zukunft? Das Reich Gottes: Es wird wachsen wie ein Baum, blühen wie die Liebe. Und ich bin sicher, dieser Baum wird unübersehbar sein in unserer Zeit und Welt. (Margot Käßmann)