12.Sonntag A 21.06.2026
EröffnungsversPs 28 (27), 8-9
Der Herr ist die Stärke seines Volkes,
er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
Herr, hilf deinem Volk und segne dein Erbe,
führe und trage es in Ewigkeit.
Ehre sei Gott, S. 375 f.
Tagesgebet
Heiliger Gott, gib, dass wir deinen Namen
allezeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Zur 1. Lesung Der Prophet ist ein einsamer Rufer und Warner. Er muss auf Missstände und auf drohendes Unheil hinweisen. Das trägt ihm Hass und Verfolgung ein. Manchmal möchte er selbst an seiner Sendung verzweifeln. Aber dann erfährt er wieder die rettende Nähe seines Gottes. Er gehört zu den „Armen"; er hat nichts, aber er weiß sich geborgen.
Erste Lesung Jer 20, 10-13
Er rettet das Leben der Armen aus der Hand der Übeltäter
Lesung aus dem Buch Jeremía.
Jeremía sprach:
10Ich hörte die Verleumdung der Vielen:
Grauen ringsum! Zeigt ihn an!
Wir wollen ihn anzeigen.
Meine nächsten Bekannten
warten alle darauf, dass ich stürze:
Vielleicht lässt er sich betören,
dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
11Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.
Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen.
Sie werden schmählich zuschanden,
da sie nichts erreichen,
in ewiger, unvergesslicher Schmach.
12Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten,
er sieht Nieren und Herz.
Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen;
denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
13Singt dem Herrn, rühmt den Herrn;
denn er rettet das Leben des Armen
aus der Hand der Übeltäter.
AntwortpsalmPs 69 (68), 8 u. 10.14.33-34 (Kv: 14bc)
Kv Gott, in deiner großen Huld erhöre mich,GL 307, 5
mit deiner rettenden Treue! - Kv
8Herr, deinetwegen erleide ich Hohn *
und Schande bedeckt mein Angesicht.
10Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, *
die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen. - (Kv)
14Ich komme zu dir mit meinem Bittgebet, *
Herr, zur Zeit der Gnade.
Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, *
mit deiner rettenden Treue! - (Kv)
33Die Gebeugten sehen es und sie freuen sich! *
Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!
34Denn der Herr hört auf die Armen, *
seine Gefangenen verachtet er nicht. - Kv
Zweite Lesung Röm 5, 12-15
Anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
12Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt
und durch die Sünde der Tod
und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen,
weil alle sündigten.
13Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt,
aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt;
14dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die,
welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten
wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
15Doch anders als mit der Übertretung
verhält es sich mit der Gnade;
sind durch die Übertretung des einen
die vielen dem Tod anheimgefallen,
so ist erst recht die Gnade Gottes
und die Gabe,
die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus
bewirkt worden ist,
den vielen reichlich zuteilgeworden.
Ruf vor dem EvangeliumVers: vgl. Joh 15, 26b.27a
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Der Geist der Wahrheit wird Zeugnis geben für mich;
und auch ihr sollt Zeugen sein.
Halleluja.
.
Evangelium Mt 10, 26-33
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
26Fürchtet euch nicht vor den Menschen!
Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird,
und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
27Was ich euch im Dunkeln sage,
davon redet im Licht,
und was man euch ins Ohr flüstert,
das verkündet auf den Dächern!
28Fürchtet euch nicht vor denen,
die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können,sondern fürchtet euch eher vor dem,
der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
29Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig?
Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde
ohne den Willen eures Vaters.
30Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
31Fürchtet euch also nicht!
Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
32Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt,
zu dem werde auch ich mich
vor meinem Vater im Himmel bekennen.
33Wer mich aber vor den Menschen verleugnet,
den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Der verborgene Wendepunkt
Etwas Geheimes aufzuspüren macht neugierig. So ist es ein beliebtes Spiel von Kindern, einen Gegenstand oder sich selbst zu verstecken und dann suchen zu lassen. Wenn die Ostereier mit einem Geschenk an einer Stelle im Garten verborgen sind, hat das mehr Reiz als wenn sie einfach auf dem Tisch stehen. Der Umgang mit dem Geheimen, der zunächst recht harmlos erscheint, hat inzwischen eine brennende Aktualität in der Öffentlichkeit gewonnen. Es scheint, als ob die Aussage Jesu „Nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird" (Mt10,26) die Vorgänge in diesen Tagen genau treffen würde. Es gibt sie, die Geheimdienste in allen Bereichen, in der Politik wie am Arbeitsplatz, im Internet wie auf öffentlichen Plätzen. Gespenstische Worte wie „ Überwachungsstaat", „gläserner Mensch" , „Sicherheitslücken" sind im Umlauf und erzeugen Ängste.
Privatsphäre- ein hohes Gut
Die Privatsphäre eines Menschen wird einerseits als hohes Gut betrachtet und dessen Schutz gefordert.
. Aber es scheint ein Kennzeichen unserer Zeit zu sein, dass für viele der Innenraum zum Außenraum geworden ist.
Was nach dem Wort Jesu als „verhüllt" bezeichnet und „enthüllt" wird, ist etwas anderes, als was in den Sendungen als Sensation dargeboten wird.Es gibt einen Innenraum und einen Außenraum, in dem wir uns bewegen. Es geht um Erfahrungen, die sich in tiefster Einsamkeit ereignet haben, um Begegnung mit dem tiefsten Geheimnis.
So dürfen wir annehmen, dass Jesus von seinem eigenen Leben spricht und etwas vom ganz geheimen Geschehen offenbart. Denken wir daran, dass sich bei der Taufe Jesu „der Himmel öffnet"(Mt 3,13).
Der Innenraum der Seele - das große Geheimnis
Es ist der Innenraum der Seele, der sich auftut und der eine gewaltige Anziehung ausübt. Jesus muss, von innen angestoßen, in die Einsamkeit gehen und das Erlebte verarbeiten, weil es so intensiv ist. „Der Geist trieb ihn in die Wüste" berichtet Markus(Mk 1,12). Er braucht dafür Zeit. Es werden vierzig Tage genannt, eine symbolische Zahl, welche den Abschluss dieses Prozesses ausdrückt. Erst dann kehrt er in seine Heimat zurück. Er war ein anderer geworden, einer, der von seinem Dorf und seiner Familie nicht mehr verstanden wird, einer der anders denkt und in allem anders ist, weil er Gott unmittelbar spürt und darstellt, einer, der durch seine Rede Menschen aufwühlt, erschüttert und wandelt, einer, der Geschichte macht. Was verborgen war, trat nach außen.
Fast dasselbe wird von Franziskus gesagt. Sein Verlangen, in allem Christus ähnlich zu sein, geht einher mit dem Verlauf seiner inneren Geschichte. Es gab Einbrüche in sein Leben, in denen sich auch ihm der Himmel öffnete. Darauf zog er sich in die Einsamkeit zurück.
Der Wendepunkt ist im Innern
Übertragen wir die Vorgänge bei den großen Gestalten auf die Lebensprozesse heutiger Menschen. Sie stehen oft vor unlösbaren Problemen. Die meisten schieben die Schuld auf die anderen und bleiben in der Sackgasse stecken. Weiter führt die Überlegung: Wenn ich schon an den Personen und Umständen nichts ändern kann, so kann mich doch niemand daran hindern, mich selbst zu verändern!, Wer so denkt, dem kann man sagen: Die Lösung liegt im Verborgenen, im Bereich der unbewussten Seele, welche man für bedeutungslos hält, welche aber ohne unser Zutun und Wissen unsere Gefühle, unsere Entscheidungen und unser Glück bestimmt. Alles kommt darauf an, den geheimen Grund zu öffnen und es ist berechtigt,Hilfe zu beanspruchen und sogar den Schritt in eine Beratungsstelle zu tun.
Der Schlüssel des Problems- Wo?
Solange man jedoch den Schlüssel des Problems bei den anderen sucht, beim Ehepartner/in, bei den Vorgesetzten, beim Konfliktgegner, bei der Gesellschaft oder bei der Kirche und die Arbeit an sich selbst für überflüssig hält, wird man seine Zukunft nicht gestalten sondern erleiden meist gegen die eigenen Vorstellungen.
Es kann sein, dass man noch einmal oder sogar öfters in dasselbe Loch fällt. Eine Lebenskrise birgt jedoch die Chance in sich, sein Leben mit Verstand in die Hand zu nehmen.
Deshalb ist es hilfreich, auch den rückwärtigen Teil unseres Lebenshauses anzuschauen, nach dem zu forschen, was verhüllt ist. Den wenigsten ist bekannt, welche Schätze dort lagern: neue Energien, neue Ideen, neue Impulse und die Möglichkeit, den Glauben in seinem ganzen Reichtum zu entdecken.
Für viele wurde der Einbruch in ein ruhiges Dasein zum Wendepunkt für einen neuen Lebensabschnitt, den sie als erfüllt, bereichernd und wertvoll empfinden.
Der Verlust wird zum Gewinn
Manche Trennung und mancher Verlust eines geliebten Menschen erwies sich als Beginn eines ganz eigenen Weges, dessen Wert alles Bisherige übertrifft. Ebenso ist für viele selbst ein berufliches Scheitern zu einer Sinn-vollen Neuorientierung geworden. Während sie vorher ständig nur gefordert und gehetzt waren, haben sie nun den Raum, wo sie in Bescheidenheit Mensch sein dürfen.Im Rückblick sind sie sogar dankbar, dass es auch diese schweren Zeiten gab. Es war, wie wenn man wachgerüttelt würde, um bewusster, freier und intensiver zu leben.
Mit den Worten „Fürchtet euch nicht"! will Jesus den Jüngern die Angst vor der Zukunft nehmen. Er verweist auf das, was noch verhüllt ist und sich noch zeigen wird. Damit meint er die Kraft, die er in sich spürt und seinen Jüngern weitergibt. Es ist die Kraft des Geistes, der sogar den Tod überwindet.
Glaubensbekenntnis, S. 378 ff.
Fürbitten vgl. S. 810 ff.
Zur Eucharistiefeier Weitersagen, was wir als Wort Gottes gehört und begriffen haben; weitergeben, was wir als Gabe Gottes empfangen haben: Das ist der wahre Gottesdienst, die richtige Art und Weise der „Danksagung"
Gabengebet Barmherziger Gott, nimm das Opfer des Lobes
und der Versöhnung an.
Löse uns durch diese Feier aus aller Verstrickung,
damit wir in freier Hingabe ganz dir angehören.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation, S. 431 ff.
KommunionversPs 145 (144), 15
Aller Augen warten auf dich, o Herr,
und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.
Oder:Joh 10, 11.15 Ich bin der gute Hirt. Ich gebe mein Leben für meine Schafe -
so spricht der Herr.
Schlussgebet Gütiger Gott, du hast uns
durch den Leib und das Blut Christi gestärkt.
Gib, dass wir niemals verlieren,
was wir in jeder Feier der Eucharistie empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.