19.Sonntag im Jahreskreis C

Eröffnungsvers Vgl. Ps 74 (73), 20.19.22.23


Blick hin, o Herr, auf deinen Bund
und vergiss das Leben deiner Armen nicht für immer.
Erhebe dich, Gott, und führe deine Sache.
Vergiss nicht das Rufen derer, die dich suchen.

Ehre sei Gott

Tagesgebet


Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, dass wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

1.Lesung Weish 18, 6 - 9

Während du die Gegner straftest, Herr, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht

Lesung aus dem Buch der Weisheit
6 Die Nacht der Befreiung wurde unseren Vätern vorher angekündigt; denn sie sollten zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen sie vertrauen konnten.
7 So erwartete dein Volk die Rettung der Gerechten und den Untergang der Feinde.
8 Während du die Gegner straftest, hast du uns zu dir gerufen und verherrlicht.
9 Denn im Verborgenen feierten die frommen Söhne der Guten ihr Opferfest; sie verpflichteten sich einmütig auf das göttliche Gesetz, dass die Heiligen in gleicher Weise Güter wie Gefahren teilen sollten, und sangen schon im Voraus die Loblieder der Väter.

Antwortpsalm Ps 33 (32), 1 u. 12.18-19.20 u. 22 (R: vgl. 12b)

R      Selig das Volk, das der Herr sich zum Erbteil erwählt hat. - R   (GL 646, 1)

1       Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn;
         für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.
12     Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
         der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat. - (R)

18     Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren,
         die nach seiner Güte ausschaun;
19     denn er will sie dem Tod entreißen
         und in der Hungersnot ihr Leben erhalten. - (R)

20     Unsre Seele hofft auf den Herrn;
         er ist für uns Schild und Hilfe.
22     Lass deine Güte über uns walten, o Herr,
         denn wir schauen aus nach dir. - R

2.Lesung Hebr 11, 1 - 2.8 - 19

Er erwartete die Stadt, die Gott selbst geplant und gebaut hat

Lesung aus dem Hebräerbrief
Brüder!
1 Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht.
2 Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten.
8 Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
9 Aufgrund des Glaubens hielt er sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; 10 denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat.
11 Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte.
12 So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
13 Voll Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verheißene erlangt zu haben; nur von fern haben sie es geschaut und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind.
14 Mit diesen Worten geben sie zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen.
15 Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren; 16 nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, er schämt sich nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat für sie eine Stadt vorbereitet.
17 Aufgrund des Glaubens brachte Abraham den Isaak dar, als er auf die Probe gestellt wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte
18 und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben.
19 Er verließ sich darauf, dass Gott sogar die Macht hat, Tote zum Leben zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.

Ruf vor dem Evangelium Vers: Mt 24, 42a.44

Halleluja. Halleluja.
Seid wachsam und haltet euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt
zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Halleluja.

Evangelium Lk 12, 32 - 48

Haltet auch ihr euch bereit

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.
33 Verkauft eure Habe, und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst.
34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
35 Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen!
36 Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.
37 Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.
38 Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.
39 Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
40 Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
41 Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?
42 Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?
43 Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
44 Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.
45 Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht,
46 dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
47 Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.
48 Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.


Die Wachheit für den Schatz

Von dem, was Jesus uns heute sagt, können wir einer Aussage ohne Vorbehalt zustimmen: Dass wir eine kleine Herde sind! (Vgl. Lk 12,32) „Dass uns das „Reich“ gegeben sein soll, bereitet uns schon größere Schwierigkeiten und erst recht die Aufforderung, „alles zu verkaufen und es den Armen zugeben“ (Lk 12,33). Um die Worte Jesu in ihrer vollen Bedeutung zu verstehen, braucht es Zeit, viele Überlegungen und Erfahrungen mit dem Glauben und mit dem Leben.

Jesus spricht von einem Schatz, der so wertvoll ist, dass man sogar sein ganzes Vermögen dafür gibt. Wir müssen uns eingestehen, die Kostbarkeit, von der Jesus spricht, müssen wir erst entdecken. Wenn wir in einer stillen Stunde in unser eigenes Leben schauen oder auch in das von Bekannten und Freunden, wie oft hört man die Frage: „Wozu hat er es gebracht? Welchen beruflichen Erfolg hat er erreicht? Welches Vermögen hat er erworben?“ Die Schätze, die heute begehrt sind, sind Erfolg, Anerkennung und Berühmtheit, ein Name, der umjubelt wird. Sie können aber sehr brüchig sein. In den Tagen, als die Schlagzeilen von der großen Finanzkrise voll waren, wurde von einem Mann berichtet, der sich das Leben nahm, weil er von seinen fünf Milliarden zwei verloren hatte. Man könnte hinzufügen: Ob er nicht auch schon längst seine Seele verloren hatte?

Es gibt zwei Seiten, den Wert menschlichen Lebens einzuschätzen: Die eine sagt: Was kommt dabei heraus? Was habe ich an Greifbarem, Sichtbarem gewonnen? Es ist der Maßstab, der wie selbstverständlich als der einzige gilt. Die andere Seite fragt: Was kommt dabei herein? Wie bin ich bei allem Erfolg oder Misserfolg, bei allem Mühen geworden? Gelassener, gütiger, froher, zufriedener, einer, den man gerne aufsucht, der Freude, Zuversicht und Hoffnung ausstrahlt oder bin ich jemand geworden, der enttäuscht, verbittert, vereinsamt, seinen Angehörigen und sich selbst zur Last geworden ist? In diese Richtung müssen wir denken, wenn Jesus vom Schatz im Himmel spricht, wo auch das Herz ist. Denn dieser Himmel ist in dir, sagt der Mystiker Angelus Silesius.
Menschen, die auf diesen Schatz stoßen, sagen: „Es war die Entdeckung meines Lebens. Seitdem ist alles anders. Es ist wie wenn ich erst jetzt zum vollen Leben erwacht wäre, wie wenn ich vorher geschlafen hätte. Erst jetzt lebe ich! Oder: Erst jetzt lohnt es sich zu leben. Mein ganzes Interesse geht nun dahin, diesen Schatz immer mehr auszugraben, dass er für viele leuchtet.“ So haben es die ersten Christen erlebt. Ein frühes Zeugnis ist ein Satz aus dem Brief an die Epheser: „Wach auf, der du schläfst, steh auf von den Toten und Christus wird dich erleuchten“ (Eph 5,14). 

So war es auch beim heiligen Franziskus. Seine Leidenschaft, radikal arm zu sein, wäre pure Selbstquälerei, wenn er nicht das Wunderbare der Begegnung mit Gott entdeckt hätte. Er war von der Unendlichkeit Gottes berührt worden. Das hat ihn getroffen und verwandelt. Alles, was er bisher für wichtig und begehrenswert gehalten hatte: den Wohlstand des Vaters, die Möglichkeit, mit vollen Händen Geld auszugeben, zu feiern und sich feiern zu lassen, die Vorstellung, selbst eine Burg zu besitzen, die große Karriere als Ritter - all das brach weg. Für ihn haben sich alle Perspektiven verändert, vor allem die von Macht und Besitz. Der Mann aus Assisi hat erfahren, dass er umso mehr in das unsagbare Glück der Nähe Gottes eingetaucht wird, je mehr er sich von dem löst, was ihn festhält. Er ist hingerissen von einer ganz neuen Dimension seines Lebens, sodass alle anderen Motive und Begehrlichkeiten unbedeutend werden und verblassen. Das Erlebnis auf dem nächtlichen Heimweg, als er von Gott berührt wurde, ist so überwältigend, dass alles, was nicht er selbst ist, seine Bedeutung verliert. Damit sind nicht nur Hab und Gut, sondern auch der Name seines Vaters und die Wertschätzung seiner Freunde und der Bewohner der Stadt gemeint.                                                                                        
Des Öfteren heißt es in der Lebensbeschreibung: „Die Süße lockte ihn weiter und weiter“. Es hat ihn dahin gezogen, wo das Leben dichter, erfüllter, umfassender ist. Es ist eine Erfahrung, die mächtiger und stärker ist als alles, was ihn bisher begeistert hat, die auch umschrieben wird mit den Worten: „Er war voll des inneren Jubels, voller Glut der Liebe“. Er hatte die Gewissheit, einen Schatz gefunden zu haben, der ihm keine Sorgen macht, den ihm niemand nehmen kann. Es ist das Glück, das er nicht in den äußeren Gegebenheiten sieht, sondern das er unmittelbar in sich selbst  spürt. Dies geht nicht ohne Achtsamkeit für das, was in einem vorgeht und für ihn wichtig ist.

Vielleicht verstehen wir etwas mehr von den Worten Jesu: „Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft“ (Lk 12,36). Es ist die Mahnung zur Wachheit im Anschluss an die Rede vom Schatz. Ein solcher muss bewacht werden, sonst geht er verloren. Damit ist gemeint: Was wir an Kostbarem entdeckt haben, an echter, unüberbietbarer Lebensqualität, braucht eine hohe Aufmerksamkeit für das, was uns im Innersten berührt und stimmig macht, was unser Leben erhöht, vor allem aber für jene Quelle in uns, aus  der wir unmittelbar die Kraft Gottes schöpfen. Wer immer an diese Quelle angeschlossen ist, macht sich unabhängig von den Meinungen und Drohungen seiner Umgebung. Er braucht sich nicht zu fürchten, selbst wenn er nur wenige Verbündete hat oder ganz allein ist. Den Strom der Energie aus dem Urgrund Gottes kann ihm niemand abschneiden. Dies könnte dem nahe kommen, was als „das Reich, das der Vater gibt“ (Vgl. Lk 12,32)  bezeichnet wurde.                                         
Wenn Gott von uns ganz Besitz ergriffen hat, dann ist auch die Angst überwunden, die uns hindert, aufeinander zuzugehen und das Böse durch das Gute zu überwinden.


Gabengebet

Herr, unser Gott,
wir bringen die Gaben zum Altar,
die du selber uns geschenkt hast.
Nimm sie von deiner Kirche entgegen
und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis

Kommunionvers Ps 147, 12.14

So spricht der Herr:
Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch;
ich gebe es hin für das Leben der Welt.

Schlussgebet

Barmherziger Gott,
wir haben
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.